Neue Stadtmitte
Neue Stadtmitte
Die endlos scheinende Diskussion um die neue Stadtmitte scheint nun beendet zu sein. Es scheint, ist aber tatsächlich Anlass zur Hoffnung auf eine baldige Umsetzung der Maßnahmen gegeben?
Bereits im Jahr 2002 habe ich in einem Artikel im LLA meine Befürchtungen über die Entwicklung am Unterschleißheimer Rathausplatz geäußert. Das Verhalten des früheren Verwalters und späteren Mehrheitseigentümers das IAZ zielte mit tatkräftiger Unterstützung der seinerzeitigen Stadtratsmehrheit einzig auf die Maximierung von Baurecht in Fläche, Nutzung und Höhe, wogegen sich die Freie Bürgerschaft vehement wehrte. Wir können von Glück reden, dass sich die politischen Verhältnisse geändert haben, aber der „Geist“ war aus der Flasche. Ebenso von einem Glücksfall kann man sprechen, dass die Stadt seinerzeit, als das Postgelände zum Verkauf stand, nicht schnell genug war und das Grundstück anderweitig verkauft wurde.
Die bald schon vorgelegten Planungsüberlegungen des neuen Eigentümers hätten ohne Weiteres bereits 2013 an den Start gebracht werden können. Damit wären etwa 12.000 Bürger nicht von der Nahversorgung abgeschnitten worden.
Aufgrund fehlender Entscheidungsfreude zur Verteilung von Baurecht, Nutzungsmix und Höhenentwicklung, wurde das Vorhaben für ca. 5 Jahre unbeachtet beiseitegelegt, bis dann endlich, obwohl dafür nun wirklich keine Zeit mehr war, der Stadtrat die Durchführung eines Architektenwettberwerbs beschloss. Dieser brachte drei brauchbare Vorschläge, welche in vielen Fraktions- Ausschuss- und Referentensitzungen beraten, ergänzt und optimiert und schlussendlich zu einem mehrheitsfähigen Projekt wurden. Dumm nur, dass der Wahlkampf 2020 die Ergebnisse dann wieder zerfledderte. Leidenschaftlich vertretene Positionen wurden wie üblich wieder auf dem parteipolitischen Altar als Opfer für Wählerstimmen dargeboten.
Immerhin, nach der Wahl ging es dann endlich weiter. Als Zwischenlösung für die Versorgung der umliegenden Bürger mit Gütern des täglichen Bedarfs konnte der Bonusmarkt mit einem Container-Provisorium unter der Brücke gewonnen werden. Das Bauleitplanverfahren konnte begonnen und in vielen Verhandlungsrunden der Nutzungs- und Baurechtsmix unter den Bauwerbern ausgetüftelt werden.Was uns allen auch klar sein muss ist, dass wir dringend Wohnungen brauchen. Einmal um die ungebremsten Kostensteigerungen bei Mieten und Immobilien einzudämmen und zum anderen um die ständig wachsende Zahl der Pendler wieder in den Griff zu bekommen.
Die städtebaulichen Verträge mit den Grundstückseigentümern sind wie auch die in den vergangenen sechs Jahren aufgestellten und in zig Änderungsrunden immer wieder überarbeiteten Bebauungspläne nun unter Dach und Fach. Die Zuversicht, dass hier nun schnell etwas voran gehen wird ist allerdings zumindest bei mir etwas gebremst.
Es bleibt zu hoffen, dass die Investoren nicht langsam die Lust am Projekt verlieren, weil sie sich immer wieder mit dem einen oder anderen zu schützenden Baum, oder einer Wochenstube für eine ansonsten aussterbende Fledermaus, oder der mutmaßlich gestörten Nachtruhe einer gegenüber der Bahn lebenden Mitbürgerin kümmern müssen.
Auch im Wissen darum, es nicht allen recht machen zu können, werden wir FREIE BÜRGER auch in diesem Fall wie immer unsere Position mit durchgedrücktem Rückgrat vertreten. Leider ist dies auch in der Kommunal-Politik keine Selbstverständlichkeit.
Die vorwiegend positiven Rückmeldungen aus der Bürgerschaft haben jedoch gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir sollten nun alle, Wahlkampf hin oder her, die Entwickler an die Arbeit gehen lassen, damit wir möglichst bald wieder eine funktionsfähige lebenswerte Stadtmitte erhalten, damit das Areal westlich des Rathausplatzes unter unser aller Augen nicht weiter verkümmert und verkommt.
Martin Reichart
Freie Wähler / Freie Bürgerschaft Unterschleißheim