Ökologisches Feigenblatt

Ökologisches Feigenblatt

 

In der Stadtratsitzung am 05.02. wurde eine kommunale Wärmeplanung beschlossen und Absichtserklärungen zu Maßnahmen der Klimaanpassung für Unterschleißheim abgegeben. Außer der teuren Bestandsaufnahme und der Bekenntnisse zur zumindest fragwürdigen Tiefen-Geothermie ist nicht viel rumgekommen. Dabei wäre es so einfach den vielen, vielen Worten endlich Taten folgen zu lassen.

Unterschleißheim besitzt die als erste in Betrieb genommene Tiefenwärmeanlage in Bayern. Dumm nur, dass das Wasser von Anfang an nicht heiß genug, bis heute mittels eines Gasheizwerkes nacherwärmt werden muss, womit der Effekt für die Umwelt verpufft. Bald soll dieses Nachheizwerk durch Wärmepumpen ersetzt werden, wodurch sich ein ökologischer Gewinn einstellen könnte. Ökonomisch aber wird auch das nicht.

Dabei haben wir in Unterschleißheim einen unerschöpflichen Bodenschatz. Die grenzenlos zur Verfügung stehende Wärmeenergie im Grundwasser der oberbayerischen Kiesschotterebene muss nur sinnvoll genutzt werden. 1998 habe ich meine erste Grundwasserwärmepumpe in meinem eigenen Bürobau in Betrieb genommen. Seither konnte ich viele meiner Bauherren von dieser Technik überzeugen. Mein Werben im Stadtrat für diese Heiztechnik wurde jedoch zumindest in meinen ersten 20 Jahren in den Gremien belächelt und vom Tisch gewischt. Meine inzwischen über 100 in Betrieb befindlichen Anlagen sprechen eine andere, klare Sprache. Flankiert durch Photovoltaik mit Batterie, amortisieren sich die Mehrkosten der GWWP gegenüber anderen Techniken innerhalb weniger Jahre.

Da der ökologische Nutzen dieser Heiztechnik auch ökonomische Wirkung entfaltet, braucht es keine Bevormundung durch die öffentliche Hand. In so einer win-win-Konstellation funktioniert Umweltschutz eigendynamisch und wirkungsvoll ohne staatliche Gängelei.

Schade nur, dass wir die enormen Überschüsse an Sonnenstrom noch immer nutzlos verplempern, statt schnellstmöglich in dezentrale Wasserstofftechnologie zu investieren. Aus diesem Strom kann man leicht und überall, ohne teure Verteilnetze, Wasserstoff und Produkte daraus, wie Methan oder Ammoniak, herstellen. Diese Energiereserven überbrücken dann nicht nur Sonnen-freie Zeiten, sondern können zudem der Mobilität und der Industrie zugänglich gemacht werden.

Mit einer Anlage zur kommunalen Wasserstoff- bzw. Methanproduktion aus dem Überschussstrom der hiesigen Photovoltaikanlagen z. B. im Bereich des geplanten neuen Umspannwerkes am See, könnte Unterschleißheim den Einstieg in die Autarkisierung der Energieversorgung endlich rund machen und zu einem Leuchtturm weit über unsere Stadtgrenzen hinaus werden.

Ideologisch verbrämte Ökoträumereien sind kein Ersatz für Mut und Tatkraft und dürfen nicht weiter im Weg stehen. Machen heißt die Devise, nicht schwätzen!

 

Martin Reichart

Freie Bürgerschaft Unterschleißheim e.V. / Freie Wähler